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Stuttgarter Zeitung vom Oktober 2000

Karlsruhe hängt Stuttgart ab

Basler Forscher: Die zentrale Region des Landes ist wirtschaftlich nur Durchschnitt

Der Wettbewerb zwischen den Regionen verschärft sich. Doch trotz ihrer Weltkonzerne war die Region Stuttgart in den vergangenen Jahren keineswegs der Wachstummotor für Baden-Württemberg.

Die Region Stuttgart hat sich in den vergangenen fünf Jahren keineswegs durch ein besonderes wirtschaftliches Wachstum ausgezeichnet. Die Wirtschaft in der Hauptstadtregion wuchs im Gegenteil nur so stark wie die Wirtschaft im Lande insgesamt. Zu diesem Ergebnis kommt ein Gutachten, das das Wirtschaftsministerium zusammen mit den südwestdeutschen Industrie- und Handelskammern in Auftrag gegeben hat.

Nach der Untersuchung der BAK Konjunkturforschung Basel AG ist das Bruttoinlandsprodukt – also der Wert aller produzierten Güter und angebotenen Dienstleistungen – in der Region Stuttgart zwischen 1995 und 1999 im Jahresdurchschnitt nur um 1,3 Prozent gewachsen – genauso stark wie die gesamte Wirtschaft im Südweststaat. An der Spitze, so der „International Benchmark Report 2000“, lag dagegen die Region Karlsruhe. Diese ließ mit einem jährlichen Wachstum des Bruttoinlandsprodukt um 2,7 Prozent das Land, aber auch alle anderen Regionen im Südwesten, wie hinter sich. Unterdurchschnittlich legte mit einem Wachstum um nur ein Prozent die Wirtschaft im Raum Mannheim-Heidelberg zu.

Eine ganze Reihe von gebieten werden von der Analyse als „Aufholregionen“ eingestuft. Dabei handelt es sich um Landesteile, die zwar noch nicht das Niveau von Stuttgart oder Karlsruhe erreicht haben, aber besonders stark wachsen. Dies gilt etwas für Schwarzwald-Baar-Heuberg, wo mit einem Wachstum des Bruttoinlandsprodukt um 3,3 Prozent sogar noch Karlsruhe übertroffen wird. Genauso stark wie in Karlsruhe, nämlich um 2,7 Prozent ist die Wirtschaft im Raum Reutlingen-Ulm gewachsen. Auch Heilbronn-Franken lag mit zwei Prozent noch weit über dem Zuwachs in Stuttgart.

Das Gutachten weist allerdings auch darauf hin, dass eine Reihe von eher als wirtschaftsschwach eingestufter Regionen auch in den vergangenen fünf Jahren weniger stark zulegte, als dies im Jahresdurchschnitt der Fall war. Dies gilt etwa für Ostwürttemberg Schlußlicht ist die Region Südbaden.

Beim bereits erreichten Niveau des Bruttoinlandsproduktes je Einwohner liegt Karlsruhe ebenfalls an der Spitze im Land. Für die Baden-Metropole wird für das vergangene Jahr ein Bruttoinlandsprodukt von etwa 68 000 DM (34 700 Euro) je Einwohner angegeben. Auch Stuttgart liegt mit etwa 56 000 DM noch über dem Landesdurchschnitt von rund 50 000 DM. Mannheim übertrifft diesen noch ganz leicht. Die Region mit dem vierthöchsten Bruttoinlandsprodukt, Reutlingen-Ulm, rangiert dagegen bereits knapp unter dem Durchschnitt im Südwesten.

Als Konsequenz aus dem Gutachten der Schweizer Forscher fordert die Industrie- und Handelskammer der Region Stuttgart, die Fördergelder des Landes künftig gezielter zu verteilen. „Wir brauchen eine Konzentration der Kräfte“, sagte Hauptgeschäftsführer Andreas Richter.

Im Vergleich zu anderen Regionen des, wie es in der Untersuchung heißt, „erweiterten Alpenraumes“, rangiert Baden-Württemberg mit dem Bruttoinlandsprodukt je Einwohner an vierter Stelle hinter der Lombardei, Norditalien und Bayern. Der Südweststaat liegt jedoch vor der Schweiz und Österreich. Die Unterschiede zwischen reicheren und ärmeren Landesteilen sind allerdings in Baden-Württemberg nicht so stark ausgeprägt wie etwa in Bayern. Die Region des „erweiterten Alpenraumes“ werden in der Studie als die wichtigsten Konkurrenten Baden-Württembergs im Wettbewerb der Standorte bezeichnet.