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Laudatio von Prof. Robert Mürb zur Vergabe des Merkurpreises der Römergarde Baden-Baden an Innenminister Rech

Salvete garda romana aureliae aquensis
salvete imperatore et tribune
salvete omnes adstantes (alle Anwesenden)
salve praepositus negotiis internis (Innenminister)


Lob und Dank sei der Römergarde für die Auszeichnung in Gestalt des goldenen Mercurius. Ich, Mercurius, Gott der Kaufleute und auch der Diebe, aus badischem Eisen geschmiedet, auf einem Sockel von badischem Granit aus meinem Hausberg, der gleichzeitig Wahrzeichen der oppidum pulcherimum aurelia aquensis (schönste Stadt Baden-Baden) ist, stand zunächst als Stiftung der Römergarde bei Graf Solms in Berlin. Dort stand ich anno domini 2002 einsam, weit weg von jeder römischen Kultur.

Anno domini 2003 stand ich bei der praeposita rebus juris (Justizministerin Corinna Werwigk-Hertneck) im Grenzgebiet des Limes in der urbs sueviae (Stuttgart), bei den sueben, die weder hochdeutsch noch latein sprachen und verstanden.

Anno domini 2004 stand ich unweit meines Hausberges im Hause eines Sohnes von aurelia aquensis, dem Anführer der asociacio ad badeniam promovendam in Europa (Landesvereinigung Baden in Europa), der die Interessen populi badensis (badischen Volkes) vertritt. Ich konnte dort erfahren, wie der gens sueborum (Stamm der Schwaben), insbesondere unter seinem procurator aus der Region württembergensis, den gens alemanni (Stamm der Alemannen) in der regio badensis als provincia, ja schlimmer noch, als colonia behandelt.

Ich, mercurius, hatte als Gott der Diebe früher meine helle Freude an den sueben. Aber als Gott der Kaufleute überwiegen meine Sympathien für das populus badensis. Ich habe deshalb den mit meiner Statue geehrten curator badensis, Robertus Mürb, gebeten, mir seine Stimme zu leihen und meine Beobachtungen vorzutragen.

Als die Römer, und wir Götter mit ihnen, über die Alpen kamen und die Landkarten aufzeichneten, zeigten ihnen die sueben den Bodensee und sagten: „des isch älles unser mare“ und die römischen Kartographen haben irrtümlich die Bezeichnung mare suebicum (Schwäbisches Meer) eingetragen. Die sueben bezeichnen auch heute noch, obwohl sie seit Jahrhunderten neben Bayern den kleinsten Uferstreifen bewohnen, den Bodensee als Schwäbisches Meer. Weder durch germanisches und schon garnicht durch römisches Recht ist dies ausgewiesen.

Die Römer haben Germanien nicht einfach zur provincia und schon gar nicht zur colonia gemacht, sondern entlang des fluvius rhenus (Rhein) und der Römerstraße (zum Teil heutige B3) blühende Städte gegründet, wie colonia agrippina (Köln), moguntia (Mainz) und natürlich aurelia aquensis (Baden-Baden) und nicht, wie die sueben es heute tun, alle Beute nach Rom gekarrt. Die regio suebica (Schwaben) war für uns Römer raues, weitgehend unzugängliches Grenzgebiet, für den Weinbau wenig geeignet, in dem wir den Limes gebaut haben. Von der Römerstraße haben wir eine Reihe von Verbindungen in diese regio suebica gebaut, so z.B. nach Cannstatt. Sie dienten aber hauptsächlich zur Versorgung der Truppen am Limes und waren, wie die Ansiedlungen dort, von minderer Bedeutung. Die vita culturalis et oeconomica (kulturelles und wirtschaftliches Leben) fand in der regio badensis (badisches Land) mit aureliae aquensis und vicus badensis (Badenweiler) statt, in deren heißen Quellen Offiziere, Legionäre und Kaufleute Gesundheit suchten und fanden.

Die Römer waren gebildete Leute und wussten, dass Provinzen nicht ausgebeutet, sondern gefördert werden müssen. Sie kannten nur Götter und keinen diabolus (Teufel). Nomen est omen. Dominus praepositus negotiis internis Heribertus Rechus (Herr Innenminister Heribert Rech) stammt aus der Region, in der bis heute zahlreiche Spuren aus unserer Zeit nahe seinem Geburtsort Östringen zu finden sind (Stettfeld). Sein caput impressivum profilatum (markanter Kopf) weist eher auf römische als auf germanische Vorfahren hin.

Die Römer haben ihre oppida (Städte) in die Ebene gebaut, in die Ebene des breiten Rheintals und nie in valla angusta (enge Täler). Die duces marcionis badeniae (badischen Markgrafen) haben von den Römern gelernt und verlegten ihre Residenzen aus den Tälern, wie aus Baden-Baden nach Rastatt, aus Durlach nach Karlsruhe, und Mannheim und Bruchsal sind weitere Beispiele.

Bewusst gründete deshalb Markgraf Christoph I. von Baden-Baden im engen Neckartal am Nesebach nur einen Stutengarten und keine Stadt. Die Markgrafen hatten von den Römern und ihrem bedeutenden Stadtplaner und Architekten Vitruv gelernt, der schon längst vor der Erorberung Germaniens vor der Bebauung von Talsohlen gewarnt hatte. Er verwies auf die Wichtigkeit der Durchlüftung und schrieb wörtlich: dass die schlechten Düfte durch die Talwinde aus der Stadt geblasen werden. Aber die sueben, dieses Volk, das nach eigener Aussage kein Hochdeutsch sprechen kann, beherrscht offensichtlich auch kein Latein. Deshalb muss der Werbespruch „wir können alles außer hochdeutsch“ durch den Zusatz „und latein“ ergänzt werden. Vielleicht liegt es auch daran, dass manche der senatores (Regierenden) beratungsresistent sind und deshalb bis heute Stuttgart von der oppidum zur urbs (von der Stadt zur Hauptstadt) immer weiter ausbauen, in der es heute in mancher Beziehung so stinkt, dass Überlegungen angestellt werden müssen, an welchen Tagen die Kraftfahrzeuge mit geraden oder ungeraden Kennzeichen fahren dürfen.

Für Sie, als den praepositus negotiis internis (Innenminister) keine leichte Aufgabe! Sie ist nur zu lösen, indem endlich keine weiteren administrationes, instititiones et operae oeconomicae (Behörden, Institutionen und Wirtschaftsbetriebe) aus den gut gelüfteten Städten und Regionen, insbesondere aus der regio badensis (badischen Land), zentralisiert werden, sondern umgekehrt aus der regio neckarensis (Mittlerer Neckar) heraus verlagert werden. An den iden des Aprils anno domini 2005, wenn der diabolus (MP Teufel) nicht mehr aus dem planitiae exaltatae (schwäbischen Albgebiet) in die urbs (Hauptstadt) fährt, kann der designierte procurator badensis-württembergensis (zukünftige MP) Günther Oettinger eine visio decentralicata (Stärkung der Regionen), wie er versprochen hat, entwickeln. Hic est, dominus praepositus (Herr Minister), eine wichtige Aufgabe für Sie, die Sie die potestas regiminis civilis (organisatorische Macht) ausüben.

Jung genug als Garant für eine neue Entwicklung sind Sie. Sie waren gerade 2 Jahre alt, als die Fusion der regio badensis und württembergensis weder nach römischem noch germanischem Recht vollzogen wurde. Das Plebiszit des populus badensis (badischen Volkes) wurde missachtet. Als advocatus sind Sie allerdings in dieser Frage jungfräulich, nachdem Sie erst anno domini 1992 in den senatus badeniae et sueviae (baden-württembergischen Landtag) kamen. Als consilarius oppidi (Gemeinderat) in Bad Schönborn arbeiteten Sie ab 1980 und auch als Kreisrat des Landkreises Karlsruhe im Kreistag mit großem Erfolg.

Sie müssen vom spiritus romanus (römischen Geist) durchdrungen sein, wenn Sie die Nächte in der von Römern geprägten Region verbringen und Ihre Freizeit und den von uns eingeführten Wein genießen. Das populus badensis (badische Volk) setzt große Hoffnungen auf Sie als neuen praepositus (Minister), der aus seinem Stamme kommt.

Die ludes fortunae (Spielbank), deren curator Sie sind, war für aurelia aquensis bis vor 15 Jahren, als die urbs neckarensis (Stuttgart), die immer alles haben will, was in der regio baden-württembergensis gut ist, die fundamentum argentarium (finanzielle Basis) für die pulcherimum oppidum (Baden-Baden). Auch noch vor einem dezenium sprudelten die fontes rerum pecuniarum (Geldquellen), die dann vom diabolus (MP Teufel) in die tesaurus patriae (Landeskasse) umgeleitet wurden. Seither ist aurelia aquensis arm geworden und muss um elae emosyna (Almosen) betteln. Die ludes fortunae in urbs neckarensis (Stuttgart) und in constancia (Konstanz) werden alimentiert, aber aurelia aquensis (Baden-Baden) mit der institutum fortunae instauratum (ältesten Spielbank) geht leer aus.

Auf Sie, dominus praepositus negotiis internis Rechus (Herr Innenminister Rech), setzt das populus badensis (badisches Volk), auf Sie setzen die asociacio ad badeniam promovendam in Europa (Landesvereinigung Baden in Europa) und die oppidum aurelia aquensis (Stadt Baden-Baden). Die garda romana (Römergarde) steht Ihnen zur Verfügung, wenn Sie römische Soldaten zur Unterstützung brauchen. Sie alle hoffen, dass Sie die badischen Feldzeichen auch und gerade im Senat der urbs suevica besonders hoch halten.

Ich, mercurius, der Gott der Kaufleute, werde das kommende Jahr über als patronus badensis auf Ihrem Schreibtisch darüber wachen, dass Sie die Interessen der regio badensis (badischer Landesteil) mit Erfolg vertreten und das populus badensis (die Badener) nicht enttäuschen.